Der Förderverein vor dem Dativius-Bogen in Mainz.

Foto: Wolfgang Lorch

Auf den Spuren von Isis und Magna Mater

Der Förderverein Römerhaus Walheim auf Exkursion im römischen Mainz

Die Schauspieler aus Gallien tragen Masken für ihre Rollen. Klar dringt ihre Stimme durch das neue steinerne Theater. Die ein oder andere Spitze gegen den Statthalter findet sich in dem Stück. 10000 Leute bejubeln frenetisch die Theatervorstellung einer derben römischen Komödie. Am morgen waren schon tausende römischer Legionäre an ihrem Befehlshaber und dem Ehrenmal des Drusus vorbeimarschiert. Viele Römer und Römerinnen freuen sich anschließend noch auf einem Besuch in den Thermen und auf die ausgelassenen Feierlichkeiten. Steht man in den imposanten Überresten des römischen Theaters von Mainz fällt es dem Besucher leicht sich die Szenerie von damals vorzustellen.

Das römischen Mainz war Hauptstadt der Provinz Germania Superior. Die kleine keltische Siedlung entwickelte sich schnell auf Grund der römischen Militärpräsenz zu einer römischen Großstadt am Rhein. Eine Brücke verband Mogontiacum, so der lateinische Name von Mainz, mit dem rechten Rheinufer. Von hier aus wurden militärische Operationen tief ins barbarische Germanien geführt.

Die Reste der Römerstadt besuchte der Förderverein Römerhaus Walheim letztes Wochenende bei seiner jährlichen Exkursion. Zunächst wurde die Gräberstraße der Stadt besichtigt. Über die Jahrtausende erhalten haben sich verschiedene Grabmonumente und Inschriften, die einen Einblick in das Leben der Leute von Mainz vor rund 1800 Jahren erlauben. Besonders ist der Grabstein des kaiserlichen Vorkosters Zosimus, der wahrscheinlich 83. n. Chr. in Mainz verstarb. Kaiser Domitian ließ für ihn ein Grabmonument errichten. In Mainz angekommen entdeckte der Förderverein zahlreiche römische Hinterlassenschaften bei einem gemütlichen Stadtbummel. Highlights waren die Jupitergigantensäule und der Dativiusbogen nahe dem Rheinufer. Von der römischen Brücke über den Fluss hat sich leider nichts mehr erhalten. An gleicher Stelle überspannt allerdings heute eine moderne Nachfolgerin den Fluss. Am Nachmittag wurde es dann mystisch. Mitten in einem Einkaufszentrum befindet konnte das antike Isisheiligtum erhalten werden. Der eigentlich ägyptische Kult gelangte bis an die germanische Grenze und war besonders bei Frauen beliebt. Besondere Fundstücke sind kleine bleierne Fluchtafeln, die von unglücklich Verliebten oder von Geschäftsleuten der Göttin geopfert wurden und hofften, dass ihre Flüche wahr wurden.

Am nächsten Tag ging es ins Museum für antike Schifffahrt. Dort wurden konnten in Originalgröße rekonstruierte spätantike Schiffe besichtigt werden. Ihre antiken Vorgänger wurden durch Flussschlamm hervorragend konserviert und bei einer Hotelerweiterung wiederentdeckt. Bei den Schiffwracks handelt es sich sowohl um Kriegs- als auch Handelsschiffe. Ein weiterer Hinweis, zwischen welchen Extremen sich das Verhältnis zwischen Römern und Germanen bewegte. Anschließend wurde das römische Stadttor auf dem Kästrich besichtigt. Zunächst besaß Mainz wie viele römische Städte keine Stadtmauer. Die hier stationierte Legion bot ausreichend Schutz für die Zivilbevölkerung. Als in der spätantike immer mehr römische Truppen aus Mainz abgezogen wurden und sich germanische Überfälle häuften errichteten die Bewohner eine Stadtmauer. Aber auch diese konnte die Einwohner nicht vor den anstürmenden Alamannen schützen, die die Stadt zu Beginn des 5. JHr. n.Chr. einnahmen. In der moderne ließ sich auf dem historischen Boden eine berühmte Sektkellerei nieder. Eine gute Gelegenheit für die Teilnehmer der Exkursion ein interessantes Wochenende mit einem Glas Mainzer Sekt bei herrlichem Sonnenschein ausklingen zu lassen.