Römerhaus geschlossen!

Bei einer Überprüfung wurde festgestellt, dass die eingebauten Oberlichter nicht den baulichen Anforderungen entsprechen. Bis zur weiteren Klärung des Sachverhalts bleibt das Museum deshalb aus Sicherheitsgründen ab sofort geschlossen.

Dr. Stephan Bender bei seinem Vortrag im Römerhaus

Foto: ml

Das neue Bild vom Neckarlimes

Wissenschaftliche Untersuchungen werfen neue Fragen auf

Der Neckarlimes: Lange Zeit galt er als die nasse Grenze Roms zu den Germanen im Nord-Osten. An den Forschungen der Reichs-Limes-Kommision ende des 19. Jahrhundert hatte sich bis heute kaum etwas geändert. Doch jetzt präsentierte Dr. Stephan Bender vom Limes-Informationszentrum (LIZ) aus Aalen im Römerhaus seine neuen Forschungen, die ein völlig neues Bild vom Neckarlimes zeichnen.

Vor 1900 Jahren bildete der Neckar die Grenze zwischen dem römischen Imperium und dem freien Germanien. Mehrere tausend römische Soldaten sicherten durch eine Reihe von Kastellen diese Grenze und damit die römische Provinz Germania Superior. Auf der heutigen Gemarkung der Gemeinde Walheim befanden sich damals gleich zwei solcher Kastelle. Wissenschaftlich untersucht wurde diese Grenze erstmals am Ende des 19. Jahrhunderts durch die Reichslimeskommission. Der Grenzfluss Neckar stellte nach derenErgebnis das einzige Annäherungshindernis für germanische Räuberbanden dar. Wachturme, Graben und Wall, wie am obergermanisch- rätischen Limes konnten damals nicht beobachtet werden. Das Bild dieser Grenze hat sich daraufhin seit über hundert Jahren nicht mehr wesentlich verändert.

Neue Wissenschaftliche Forschungsmethoden ermöglichen nun erstmals einen neue Sichtweise auf die antiken Grenzanlagen. Herr Dr. Stephan Bender vom Limesinformationszentrums in Aalen stellte am 14 Juni seine neuen Ergebnisse 30 interessierten Besuchern des Römerhauses vor. Ausschlaggebend für die neuen Untersuchungen waren Funde bei Grabungen in den 60er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts, die nicht mehr in das Bild der Grenzanlagen der Reislimeskommission passten. So wurden bei Bad Friedrichhall Steinturmfundamente östlich des Neckars gefunden, die typisch für die späteren Ausbauphasen des Odenwaldlimes, sowie des obergermanisch-rätschen Limes sind, jedoch niemals zuvor am Neckarlimes beobachtet werden konnten.

Eine kleine Sensation erbrachte dann eine Flächengrabung durch Jörg Biel. Im damaligen Neubaugebiet Plattenwald von Bad Friedrichhall gelang der Nachweis eines römischen Steinturmes von 5 × 5,5 m sowie dessen Vorgänger in Holzbauweise. Auch konnte auf 325 m eine Holzpalisade angeschnitten werden. Dieser Befund entspricht somit exakt der Abfolge der Grenzanlagen des Odenwaldlimes. Dort wurden die Holzturme um das Jahr 145 n.Chr. durch Steinturme ersetzt, was durch Bauinschriften belegt ist. Spätestens ab diesem Zeitpunkt sprach also vieles dafür, dass die Grenzanlagen des Odenwaldlimes nicht am Neckar endeten, sondern etwa 2 km östlich des Flusses von den Römern weitergeführt wurden. Diese These wird zudem durch den Fund eines Kleinkastells bei Kochendorf unterstützt. Otto Braasch gelangen 1990 Luftbildaufnahmen von einem Kastell von 0,2 ha Fläche. Deutlich zeichneten sich auf den Bildern eine Kastellanlage von 48 × 48m mit zwei Toranalagen in ost-west Richtung und abgerundeten Ecken ab. Die dort stationierte Einheit dürfte die Stärke einer Zenturie aufgewiesen haben. Diese könnte vielleicht zu der Kohorte in Bad Wimpfen gehört haben und für eine Art Vorfeldsicherung der nahegelegenen Kochermündung gesorgt haben.

Ziel müsse es nun sein so Dr. Bender die bisherigen Funde zusammenzufassen und den neuen Limesverlauf systematisch zu untersuchen. Auf Grund der Bodengegebenheiten eignete sich der Raum Kochendorf hierfür besonders gut. Für die Feldforschung setzt Dr. Bender neueste geophysikalische Prospektionsmethoden ein. Dabei werden kleinste Störungen des natürlichen Magnetfeldes gemessen, wie sie durch Bautätigkeiten verursacht werden. Aus den gewonnen Bildern lassen sich so verborgene Baustrukturen erkennen ohne großflächige und damit teure Grabungen. Seit 2009 wurden auf diese Weise weitere Turmstellen und die Limespalisade an mehreren Stellen nachgewiesen. Die Palisade verlief dabei übergroße Streckenabschnitte schnurgerade, was für den hohen Stand der Vermessungstechnik der Römer spricht. Auf ca. 4,5 km konnte somit der genaue Limesverlauf zwischen Jagst und dem Attichsbach geklärt werden.

In den nächsten Jahren, so Dr. Bender, soll geklärt werden ob und wie der Neckarlimes weiter nach Süden verlief. Auch hier könnten Altfunde entscheidende Hinweise liefern. In der Nähe von Heilbronn auf dem Wartberg konnte 1933 ein römisches Bad aufgedeckt werden. Lange Zeit ging man davon aus, dass es zu einem Gutshof gehört habe. Der Typus des Bades passt jedoch genauso zu einem Kastell. Dieses konnte jedoch noch nicht lokalisiert werden. Weitere interessante Funde wurden bei Grabungen auf der Ottmarsheimer Höhe gemacht. Dort konnten Holzverschalungen von römischen Brunnen geborgen werden. Dendrochronologische Untersuchungen ergaben Fälldaten der verwendeten Bäume zwischen 120 und 130 n. Chr., also noch vor der Vorverlegung der römischen Truppen an den obergermanisch-rätischen Limes. Auch hier wäre die Existenz eines weiteren Kleinkastells denkbar. Zudem dieses einen alten Weg hinunter ins Neckartal und damit zu den beiden Kastellen und der Zivilsiedlung in Walheim geschützt hätte.

Zusammenfassend kann nun davon ausgegangen werden, dass die größeren Kohortenkastelle bewusst im Neckartal angelegt wurden, um so die Truppen besser per Schiff versorgen zu können. Eine Kette von Kleinkastellen auf erhöhten, strategisch wichtigen Positionen dürfte die Vorfeldsicherung übernommen haben. Als Grenzanlagen dienten, wie am Odenwaldlimes zunächst Holztürme mit einer Palisade, die später durch Steintürme ersetzt wurden. Diese größtenteils geradlinig verlaufende Grenze war somit einfacher zu überwachen als der Fluss mit seinen vielen Mäandern. Eine mögliches Ende dieser Grenzlinie, so Dr. Bender, könnte dann bei der markanten Flussschleife bei Benningen gewesen sein. Es bleibt also abzuwarten. was für Funde noch im Boden schlummern.

Der Förderverein Römerhaus Walheim möchte sich bei dieser Gelegenheit nochmals recht herzlich bei Dr. Stephan Bender und Carola Hubert vom LIZ in Aalen für den spannenden Vortrag bedanken.

Wer noch mehr über die antiken Grenzanlagen erfahren möchte dem seien folgende Bücher, bzw. links empfohlen:

  • E. Schallmayer “Der Odenwaldlimes”
  • Unser Bild vom Neckarlimes: Bald nur noch Geschichte? Archäologie in Deutschland 3/2011, S. 38f.; Pressemitteilung des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 13. Juli 2011
  • C. Hüssen “Die römische Besiedlung im Umland von Heilbronn”