In einem von vielen Kellerräumen des Fundarchivs: Hier lagern Bodenproben aus dem ganzen Land.

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Endlager Rastatt: Ein bisschen Walheim

Zu Besuch im Zentralen Fundarchiv des Archäologischen Landesmuseums

Hinter diesen Mauern lagern millionen Fundstücke aus ganz Baden-Württemberg. Das Fundarchiv in Rastatt.
Das Fundarchiv - ein ehmaliges Festungslazarett

Einfach mal drauf los suchen ist aussichtslos. „Chaotische Lagerhaltung“ ist der Grund wie wir von Dr. Martin Kemkes erfahren. Wir lachen, aber eigentlich ist er stolz darauf. Wir sind im Zentralen Fundarchiv des Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg zu Gast. Hier in Rastatt, in einem 175m langen Bau aus der Festungszeit der Stadt, ist das Fundarchiv seit 1994 untergebracht. In schier endlosen Regalreihen und hunderten von Räumen lagern Millionen archäologischer Funde aus dem ganzen Bundesland. Von hier aus werden sie verliehen, katalogisiert oder für wissenschaftliche Arbeiten herangezogen. Für die meisten ist Rastatt aber Endlager.

Von Markus Lorch

Sieht aus wie im Chaos, hat aber System: Die Katalogisierung. Hier werden alle Fundstücke systematisch erfasst bevor sie ins Lager wandern.
In der Fundkatalogisierung wird jedes Fundstück erfasst.

„Was hier ankommt, wird nicht mehr weggeworfen“, erzählt Dr. Kemkes und erklärt, dass unbedeutende Funde bereits während der Grabung aussortiert werden. Und er erklärt auch, was sich hinter der chaotischen Lagerhaltung verbirgt. Jeder Fund wird nämlich dort eingelagert wo zufällig platz ist. Der aktuelle Lagerort wird mittels EDV erfasst und aktuell gehalten. Das Auffinden von Fundstücken geht nur mit Hilfe von Computern. Da sich zusammengehörende Funde schon mal an unterschiedlichen Standorten im weitläufigem Gebäudekomplex befinden können, kann das auch mal länger dauern. Dafür, und das sei aber der große Vorteil, ist diese Art der Lagerhaltung aber besonders platzsparend. Sogar aus anderen Bundesländern kommen Vertreter um das Rastatter System zu besichtigen – manche haben es schon bei sich übernommen.

Unsere Besichtigung führt uns quer durch das ganze Gebäude. Manch einer verliert schon früh die Orientierung. Vom ersten Stock geht es direkt runter in den Keller. Dort ist es feucht, aber hier landen auch nur diejenigen Funde die das auch vertragen und das sind meist große Steine und Skulpturen. Organisches Material kann man hier wegen der Feuchtigkeit nicht lagern. Sogar die Paletten sind aus Kunststoff. Wir kommen in einen Raum in dem bis zur Decke Plastik-Boxen gestapelt sind. Es befinden sich Bodenproben darin. Wie lange diese aufbewahrt werden weiß Dr. Martin Kemkes auch nicht, aber solange ausreichend Kapazitäten vorhanden sind bleiben sie erst mal alle hier.

Ein unscheinbarer Karton enthält funde aus Walheim. Dr. Martin Kemkes zwischen den Regalen im Fundarchiv.
Dr. Kemkes auf der Suche nach Walheimer Funden

Im Erdgeschoss finden wir nun auch ein Stück Walheim. In einem der Regale schlummert ein unscheinbarer Karton mit Funden aus Walheim. Schon gleich zu Beginn des Rundgangs hatte Dr. Kemkes den Standort am PC ermittelt. Es war einer jener Kartons, die seit ihrer Einlagerung vor vielen Jahren nicht mehr wieder geöffnet wurden. Über den genauen Inhalt gab selbst der Computer keine Auskunft. Kemkes öffnete für uns den Karton und fand darin nur einige Tonscherben. Nichts besonderes. Schade.

Tausende Kartons wurden noch nie geöffnet. Das liegt an der schieren Menge. Viele Funde kamen aus Auflösungen anderer Archive hier her. So auch Funde aus Walheim welche aus dem Archiv des Württembergischen Landesmuseums nach Rastatt gelangten. Man müsse sich auf die Angaben auf den Kartons verlassen, denn für eine Sichtung aller Funde stehen keine Kapazitäten zur Verfügung. So könnte noch manche Sensation in einer der vielen Schachteln verborgen sein. Systematisch erfasst werden, wegen der dünnen Personaldecke, nur Funde die neu eingeliefert werden.

Alles noch Original: Der Dachstuhl des ehmaligen Festungslazaretts
Friedensdach: Hier konnten im Kriegsfall Kanonen stationiert werden.

Inzwischen sind wir unter dem Dach angekommen. Auch hier Regale soweit das Auge reicht. Das besondere hier ist das Bauwerk selbst. Das „Friedensdach“ wie es Experten bezeichnen, konnte im Falle eines Krieges abgenommen und dadurch Kanonen auf dem Dach stationiert werden. Im hinteren Teil, der noch nicht für das Archiv ausgebaut wurde, können wir sogar noch den Originalzustand des massiven Gemäuers sehen. Deutlich kann man die dicken Wände der einzelnen Räume erkennen. Alle sind 1,5m breit, im Inneren ist das Klima deshalb äußerst träge und für die Lagerung von Funden deshalb nahezu ideal. Noch für mindestens 20 bis 30 Jahre steht in Rastatt Platz zur Verfügung, denn bislang ist nur ein Teil des ehemaligen Festungslazaretts umgebaut. Zukünftige Funde aus Walheim werden dann wohl auch noch in Zukunft einen Platz in Rastatt finden.