Römerhaus geschlossen!

Bei einer Überprüfung wurde festgestellt, dass die eingebauten Oberlichter nicht den baulichen Anforderungen entsprechen. Bis zur weiteren Klärung des Sachverhalts bleibt das Museum deshalb aus Sicherheitsgründen ab sofort geschlossen.

Foto: ml

Imperium am Abgrund

Vom Ende der römischen Zivilisation in Südwestdeutschland

Zum Vortrag “Imperium am Abgrund” am 22. Mai 2015 war Dr. Markus Scholz im Römerhaus zu Gast. Zahlreiche Besucher nahmen die gelegenheit wahr und erfuren so die Gründe und den Ablauf vom Ende des römischen Reiches.

Als die Römer um 100 nach Christus bis an den Neckar vorstießen, sah nichts danach aus, dass Rom dieses Gebiet jemals wieder aufgeben würde. Eine Reihe von Kastellen mit tausenden von Soldaten sicherte das neu eroberte Gebiet. Der Limes mit seinen Wachtürmen und einer Palisade war ein deutliches Zeichen des Machtanspruchs Roms gegenüber den germanischen Stämmen. Neu entstandene Gutshöfe und Produktionsstätten, der Bau von Straßen und ein stabiles Währungssystem sorgten für einen nie gekannten wirtschaftlichen Aufschwung in den germanischen Provinzen. Städte und Siedlungen entstanden mitsamt Tempeln, Theatern und imposanten Thermenanlagen.

Der Aufschwung sollte jedoch nicht von Dauer sein. Das gesamte Imperium geriet zu Beginn des dritten Jahrhunderts in einen katastrophalen Abwärtsstrudel, an dessen Ende nichts mehr war als zuvor. Invasionen, Bürgerkriege, Naturkatastrophen und Wirtschaftskrisen erschütterten das römische Reich und die Existenzgrundlage seiner Bürger. Die Gründe für die die sogenannte Reichskrise sind vielschichtig und lagen lange Zeit im Dunkeln. Erst neuere Forschungen zeigen ein differenziertes Bild der römischen Innen- und Außenpolitik zu jener Zeit.

Genauer beschäftigt hat sich mit dieser einschneidenden Epoche der Archäologe Dr. Markus Scholz vom Germanisch- Römisch Zentralmuseum in Mainz. In seinem Vortrag legte er dar, wie die Grenzen des Imperium Romanum immer stärker unter Druck gerieten. Denn auf Grund von Klimaverschlechterungen begannen germanische Stämme in Richtung Westen zu wandern oder flohen vor kriegerischen Auseinandersetzungen. Zeitgleich wurde der Osten des Reiches bedroht. Um die Grenzen zu schützen wurden zusätzliche Truppen an den jeweiligen Krisenherden entsandt. Da die Soldaten nicht ausreichten die gesamte Grenze zu schützen, bleib die Bevölkerung schutzlos zurück. So gelang es 233 nach Christus erstmals größeren germanischen Verbänden den Limes zu überschreiten und plündernd, weit in Reichsgebiet, vorzudringen.

Zu den außenpolitischen kamen auch innenpolitische Probleme. Die andauernden Kriege verschlangen Unsummen an Geld. Um das notwendige Geld aufzutreiben mussten die Steuern erhöht und der Geldwert gesenkt werden. Die anschließende Inflation stürzte die römische Wirtschaft in eine tiefe Krise. Auch die staatliche Führung löste sich auf. Rivalisierende Heerführer ließen sich von ihren Truppen zum neuen Kaiser ausrufen, was zu andauernden Bürgerkriegen führte.

Als Reaktion auf die sich verschlechternden Lebensumstände verließ die römische Bevölkerung nach und nach die germanischen Provinzen. Das Gebiet des heutigen Südwestdeutschlands wurde endgültig um 260 n.Chr. aufgegeben. Rhein und Iller und Donau wurden zu den neuen Grenzen des Reiches. Das alte Geschichtsbild aus dem 19. Jahrhundert, dass der Limes in nur einem großen Germanensturm, der die Römer quasi hinwegfegte, überschritten wurde ist nunmehr überholt. Erst gegen Ende des dritten Jahrhunderts gelang es Kaiser Diokletian die Verhältnisse in den Grenzprovinzen neu zu ordnen und tiefgreifende Reformen durchzuführen.